Russlanddeutsche aus Sibirien in Cloppenburg | NDR

Obwohl sie seit vielen Jahren in Deutschland leben, nennen sie sich selbst Russlanddeutsche oder Spätaussiedler. Jeder fünfte Einwohner Cloppenburgs kommt aus einer Aussiedlerfamilie.

Zwölf Kinder haben Ernst und Margarete Fischer, keine Ausnahme in dem niedersächsischen Städtchen Cloppenburg. Viele Familien haben acht, zehn, gar 15 Kinder. Jedes Kind sei ein Geschenk Gottes, sagen die frommen Russlanddeutschen, die der Stadt Cloppenburg das Etikett “kinderreichste Stadt Deutschlands” beschert haben. Jeder fünfte Einwohner Cloppenburgs kommt aus einer Aussiedlerfamilie. Fast alles, was man an Dienstleistungen zum Leben braucht, Friseur, Autowerkstatt, Bauunternehmen oder Kaufhaus, wird hier auch von Russlanddeutschen angeboten.

In der Pfingstgemeinde treffen sich jeden Sonntag mehrere Hundert Familien, vom Greis bis zum Säugling. Die Kirche ist viel zu eng, und so haben sie mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen und alle packen mit an, die Männer kommen nach der Frühschicht auf den Bau, mauern, hämmern, sägen. Die Frauen kochen und schmieren “Butterbrody”.

Sehnsucht nach Sibirien

Einige können sich noch gut erinnern, wie es in Russland war, bevor sie in den 90er-Jahren “heemfuhren” ins gelobte Land der Vorväter – nach “Deitschland”. Jetzt haben sie alles, was sie sich vor ihrer Ausreise erträumten: eine Einbauküche, in der der Herd nicht erst angeheizt werden muss, Wasser, das nicht erst vom Brunnen herbeigeschleppt werden muss, ein Klo im Haus und nicht eine eiskalte Bude im Hof, Milch vom Supermarkt und nicht von der eigenen Kuh, Kartoffeln vom Gemüsehändler und nicht mühsam geklaubt vom kleinen Acker hinterm Haus. Eigentlich ist alles in Ordnung, wenn da nicht “das Bangen” wäre, wie die Alten ihre Sehnsucht nennen, die Sehnsucht nach Sibirien.

Wie alles begann

Die Vorfahren der Russlanddeutschen kamen vor 250 Jahren nach Russland. Katharina die Große hatte ihnen Land und Steuerfreiheit versprochen, Befreiung vom Armeedienst und Religionsfreiheit. Sophie von Anhalt-Zerbst, einst eine deutsche Prinzessin, dann mächtige Zarin, brauchte arbeitsame Siedler, die Wehrdörfer an der Wolga gründen sollten. Die Deutschen kamen, brachten es mit Genügsamkeit und Fleiß zu einigem Wohlstand und blieben unter sich. Russisch sprach kaum jemand.

 

Quelle: YouTube / NDR Doku
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Redaktion

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